Deklarationen

Wie liest man eigentlich Futtermitteldeklarationen richtig?

Kater Don José mit KI generierten Nassfuttendosen mit Deklarationen

Deklarationen auf der Futterverpackung richtig zu lesen, ist gar nicht so leicht.

Im Blog Beitrag zur Ernährung allgemein habe ich ja bereits die Begriffe offene und geschlossene Deklaration verwendet. Beides ist jedoch noch lange nicht ausreichend um wirklich zu verstehen, was da alles auf der Verpackung steht.

Mit Huhn, extra Huhn oder nur Huhngeschmack?

Wenn auf der Verpackung „Huhn“ steht oder sogar eins abgebildet ist, geht man oft davon aus, dass genau das die Hauptzutat ist. Leider ist das nicht unbedingt der Fall. Denn je nachdem, welche Wörter auf der Verpackung genutzt werden, gelten lediglich festgelegte Mindestmengen für die jeweilige Zutat.

Was sich in der diesen Begriffen verbirgt, schlüsselt die FEDIAF (Erklärung folgt unten) wie folgt auf:

Angabe auf der VerpackungMindestanteilWas das in der Praxis bedeutet
„Mit Huhngeschmack“ / „Aroma“Unter 4 % HuhnEs dient rein dem Geschmack. Das Futter hat das Huhn meist nur aus der Ferne gesehen.
„Mit Huhn“Mindestens 4 % HuhnDas ist oft der Klassiker. Von 100 g Futter müssen lediglich 4 g vom Huhn stammen. Die restlichen 96 % bestehen aus anderen Proteinquellen (z. B. Schwein oder Rind).
„Reich an Huhn“ / „Extra Huhn“Mindestens 14 % HuhnHier ist ein spürbarer Anteil der genannten Fleischart verarbeitet.
„Hühnchen-Geflügel-Menü“ / „Hühnchen-Topf“Mindestens 26 % HuhnDie Zutat ist ein Hauptbestandteil der Rezeptur.
Mono-Protein / Sortenreines Futter (Bsp.: „100 % Huhn“)100 % der tierischen Proteine stammen vom HuhnDie ehrlichste Form der Deklaration. Keine versteckten Fleischarten, ideal für Katzen mit Allergien oder Unverträglichkeiten, sofern denn das Protein der Auslöser ist.

Zutatenliste

Hast du dir mal die Rückseite verschiedener Dosen genauer angeschaut? Auch hier sind wieder Fallstricke versteckt. In der Futterwelt unterscheidet man im Wesentlichen zwischen drei Methoden:

Geschlossene Deklaration

Beispiel: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u. a. 4 % Rind), Getreide, pflanzliche Eiweißextrakte, Mineralstoffe.“

Du erfährst weder, wie viel Fleisch insgesamt im Futter ist, noch welche Tiere verarbeitet wurden. Die „4 % Rind“ beziehen sich nur auf die gesetzliche Mindestmenge für den Namen. Der Rest (96 %) kann billiges Schwein, Geflügel oder Bindegewebe sein und ändert sich oft je nach Tagespreis der Rohstoffe.

Halb-offene Deklaration

Beispiel: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 20 % Hühnerfleisch, 10 % Rinderherz), Gemüse (4 % Karotten), Mineralstoffe.“

Klingt schon besser, ist aber immer noch unvollständig. Du weißt zwar, dass 30 % der tierischen Zutaten genau definiert sind (20 % Huhn, 10 % Rind), aber was sind die restlichen 70 % der Fleisch-Kategorie? Hier schummeln sich Hersteller oft um die volle Transparenz. Wichtig beim lesen hierbei ist, dass die 20 % und die 10 % nicht die Gesamtmenge des ganzen Futters ausmachen, sondern nur den Teil „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Schön siehst du das auch beim Gemüse, hier sind 4 % Karotten enthalten, aber was die 96 % sonstigen Gemüse sind, erfährst du nicht.

Offene Deklaration 

Beispiel: „68 % bestehend aus (40 % Hühnerfleisch, 15 % Hühnerherz, 8 % Hühnerleber, 5 % Hühnermagen), 29 % Hühnerbrühe, 2 % Karotten, 1 % Mineralstoffe.“

Deutlich mehr Transparenz! Alle Zutaten werden einzeln und mit genauen Prozentangaben aufgelistet. Du siehst exakt, wie viel echtes Muskelfleisch und welche Innereien verarbeitet wurden. Marken, die hochwertige Zutaten nutzen, wählen fast immer diese Form, weil sie nichts zu verstecken haben.

 

Kann man das eigentlich auch irgendwo nachlesen?

EU-Futtermittelverordnung (VO (EG) Nr. 767/2009)

Das eigentliche Gesetz in der EU. Es regelt verbindlich, wie Etiketten aufgebaut sein müssen (z. B. Angabe von Allein-/Ergänzungsfuttermittel, Zusammensetzung, analytische Bestandteile).

 

EU-Katalog der Einzelfuttermittel (VO (EU) Nr. 68/2013)

Hier sind die exakten  rechtlichen Begriffe (z. B. was genau fällt unter den Begriff „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“) definiert.

 

NRC (National Research Council)

Das ist das wissenschaftliche Grundlage der Tierernährung aus den USA. Die Studien des NRC bilden die Basis für fast alle Nährstoffempfehlungen.

 

FEDIAF (European Pet Food Industry Federation)

Das ist der europäische Branchenverband der Heimtiernahrungs-Hersteller. Diese veröffentlichen den FEDIAF Code of Good Labeling Practice (Leitfaden für Kennzeichnung) und wissenschaftliche Nutritional Guidelines. Er bestimmt, ab wann sich ein Futter z. B. „mit Rind“ oder „Rindgeschmack“ nennen darf. Wer schon mal von AAFCO (Association of American Feed Control Officials) gehört hat, das ist das Gegenstück in den USA.